Innere Medizin

Zur Inneren Medizin zählen alle Erkrankungen innerer Organe, Stoffwechsel- und Hormonstörungen.

Kolikdiagnostik und -therapie
Kolik beschreibt einen Symptomenkomplex mit Schmerzen im Bauchraum. Die Standarduntersuchung eines Kolikers beinhaltet neben der klinischen Allgemeinuntersuchung die rektale Untersuchung und die Anwendung einer Nasenschlundsonde.

Zur weiterführenden Diagnostik zählen die labormedizinische Untersuchung des Blutes und ggf. des Bauchhöhlenpunktates, sowie die ultrasonographische Untersuchung der Bauchhöhle mit den zugehörigen Organen.

Die konservative Kolikbehandlung, wie z.B. die Gabe von krampflösenden oder schmerzstillenden Mitteln, Laxantien oder Flüssigkeit führe ich im Stall durch. Koliker, die sehr intensiv betreut oder chirurgisch versorgt werden müssen oder gar eine unklare Symptomatik zeigen, überweise ich an umliegende Pferdekliniken, mit denen ich eng zusammenarbeite.

Nierenerkrankungen
Nierenerkrankungen kommen selten beim Pferd vor und erfordern in der Regel eine eingehende Diagnostik. Neben den Laboruntersuchungen des Urins und des Blutes kann ich eine Endoskopie der Harnwege inklusive der Harnblase durchführen. Im Rahmen der Endoskopie kann die Harnproduktion beider Nieren überprüft werden.

Eine weitere Möglichkeit, insbesondere um Harnsteine in der Harnblase zu diagnostizieren, ist eine Ultraschalluntersuchung der Harnblase von rektal.

Copyright: Dr. Torsten Heinzel

 

 

Neurologische Untersuchung

Die Ursachen für neurologische Erkrankungen können vielfältig sein. Die neurologische Untersuchung kann z.B. einen Hinweis auf eine Ataxie, den Ausfall von (Gehirn-) Nerven oder ein Schmerzempfinden geben. Sie beinhaltet die Beurteilung des Verhaltens des Tieres in seiner gewohnten und ggf. fremder Umgebung. Zudem werden die Bewegungsabläufe des Tieres und Haltungs-Stellreaktionen, sowie die spinalen Reflexe überprüft.

Viele Untersuchungen sind problemlos im Stall durchführbar und liefern einen Hinweis auf eine Erkrankung. In einigen Fällen ist die Überweisung in eine Spezialklinik zur weiterführenden Diagnostik erforderlich.

 

Atemwegserkrankungen

Atemwegserkrankungen, wie die Recurrent Airway Obstruction (RAO)- auch bekannt unter dem Namen COB- oder die Inflammatory Airway Disease (IAD) oder Erkrankungen des Kehlkopfes, wie Kehlkopfpfeifen, kommen bei Pferden häufig vor und können zu Leistungseinschränkungen führen.

Die Lungenuntersuchung umfasst das Abhören (Auskultation) der Lunge und Luftröhre in Ruhe und nach Atemhemmprobe (CO2-Rückatmung), sowie ggf. nach Belastung.

Zur weiterführenden Diagnostik gehört die Endoskopie der oberen und unteren Atemwege, inklusive der Luftsäcke. Man beurteilt die Funktion und Anatomie des Kehlkopfes und das Vorhandensein und die Beschaffenheit des Sekretes sowie die Schleimhautfarbe und –dicke in der Luftröhre.

Im Rahmen der Endoskopie wird eine Probe des Trachealsekrets oder eine Spülprobe zur weiteren zytologischen und/oder bakteriologischen Untersuchung im Labor entnommen. Insbesondere bei Fohlen kann zudem die röntgenologische und ultrasonographische Untersuchung der Lunge hilfreich sein.

 

Kardiologie

Herzerkrankungen treten beim Pferd gelegentlich auf. Nach orthopädischen und Atemwegserkrankungen können auch diese zu Leistungseinbußen führen. Oft fallen Herzerkrankungen im Rahmen von Routineuntersuchung durch Herznebengeräusche oder Arrhythmien (unregelmäßiger Herzschlag) auf.

Die klinische Untersuchung umfasst neben dem Abhören des Herzens die Beurteilung des Venenpulses, der Schleimhäute und die Prüfung auf das Vorhandensein von Ödemen.

Die exakte Diagnose und die Einschätzung der Befunde für die weitere Nutzung des Pferdes können nur durch weitergehende Untersuchungen erfolgen. Die wichtigsten Untersuchungsmethoden stellen der Herzultraschall (Echokardiographie) und das EKG dar.


Zu den häufigsten Herzerkrankungen zählen beim Pferd Undichtigkeiten an den Herzklappen (Insuffizienzen) und Rhythmusstörungen sowie Vorhofflimmern. Beim Fohlen oder jungen Pferd sind angeborene Erkrankungen wie Ventrikel-Septum-Defekte häufiger.

Pferde können Veränderungen am Herzen meistens lange kompensieren bis Probleme auftreten. Diese zeigen sich oft plötzlich. Der individuelle Verlauf einer Erkrankung ist oft erst durch Verlaufsuntersuchungen festzustellen.
  

 

 

Equines Cushing Syndrom (ECS) / Pituitary Pars Intermedia Dysfuction (PPID)

 

Definition

Bei dem Equinen Cushing-Syndrom – „Hyperadrenokortizismus“, PPID „Pituitary Pars Intermedia Dysfunction“ – des Pferdes handelt es sich in der Regel um strukturelle Veränderungen der hormonbildenden Hirnanhangsdrüse (Hypophyse). Bisher ist man davon ausgegangen, dass es sich um Veränderungen im Sinne eines Hypophysenadenomes (gutartige Veränderung) handelt. Inzwischen geht man eher von neurodegenerativen Veränderungen aus, die gekennzeichnet sind durch den Untergang dopaminerger Neuronen (Nervenzellen) insbesondere des Hypothalamus. Als Auslöser dieser Erkrankung wird oxydativer Stress vermutet. Die Erkrankung betrifft – mit Ausnahmefällen – vor allem ältere Pferde.

 

Symptome

Den Pferdebesitzern fällt oft zuerst der stark verzögerte oder gar ausbleibende Fellwechsel bzw. ein auffällig langes bis lockiges Fell der Tiere auf (Hirsuitismus). Vor allem bei jüngeren erkrankten Pferden kann dieses Symptom zu Beginn der Erkrankung noch ausbleiben. Weitere Symptome dieser Erkrankung sind: vermehrtes Schwitzen (auch in Ruhe und bei kälterer Witterung), Leistungsinsuffizienz und insgesamt reduziertes Allgemeinbefinden, Muskelatrophie (v.a. am Rücken sichtbar), Fettumverteilungen (Fettpolster über den Augen, im Nackenkamm, „Hängebauch“), Erweichen bindegewebiger Strukturen (Pferde werden z.T. v.a. hinten durchtrittig bei vormals normaler Gliedmaßenstellung), etc.

 

Das sicherlich am meisten gefürchtete Symptom ist die Hufrehe – leider in vielen Fällen auch erst der Grund für das Konsultieren eines Tierarztes!

 

Diagnostik

Es kommen mehrere Tests zum Nachweis der Erkrankung in Frage. Ich gebe der Bestimmung des ACTH-Wertes den Vorzug. Dieser Wert bietet sich auch zur Kontrolle der Medikamentendosis sehr gut an. Es ist eine einmalige Blutentnahme hierfür ausreichend. ACTH (Adrenokortikotropes Hormon) ist das Hormon, welches bei einem Großteil der erkrankten Pferde durch die Hirnanhangsdrüse vermehrt gebildet wird. Es unterliegt saisonalen Schwankungen, was wiederum auch für die Therapie wichtig ist: vom Sommer bis Spätherbst (Juni bis z.T. November) kommt es – auch bei gesunden Pferden – zu einem Anstieg der ACTH-Konzentrationen im Blut, die je nach Höhe auch mal ein ECS bei einem gesunden Pferd vortäuschen könnten. Die Höhe des ACTH-Wertes korreliert nicht zwingend mit der Schwere der Erkrankung. Hier bietet sich die Bestimmung des Insulinwertes zusätzlich an, um ggf. einen Hinweis auf eine Insulinresistenz zu bekommen.

 

Fällt der ACTH-Test negativ aus, und besteht trotzdem noch der Verdacht eines ECS /PPID kommen weitere Tests in Frage, wie z.B. der Low-Dose-Dexamethason-Test.

Dieser ist bei Pferden, die schon einmal an Hufrehe erkrankt waren bzw. adipös sind ungeeignet, da er dann eine erhöhte Gefahr mit sich bringen würde, erneut einen Hufreheschub auszulösen.

 

Klinisch verdächtige Pferde, die beim ACTH-Test Normalwerte aufweisen, kann man auch in der Sommersaison nachtesten. Hier könnte der ACTH-Wert dann plötzlich sehr hohe Werte zeigen und damit den Verdacht ECS bestätigen.

Bedingt durch die saisonalen Schwankungen ist nach meiner Erfahrung ein Test zur Dosierungskontrolle bei gut eingestellten Pferden Ende November/ Anfang Dezember und dann wieder im Mai sinnvoll.

 

Therapie

Der „Goldstandart“ der ECS-/PPID-Therapie ist die Gabe des Dopaminagonisten Pergolid (Präparat: Prascend der Fa. Boehringer-Ingelheim – Pergolid-Mesilat). Das „low-dose-Protokoll“ veranschlagt eine Richtdosis von 1 mg für ein 500kg-Pferd. Wenn keine klinische Besserung unter der Therapie eintritt bzw. der ACTH-Wert keine entsprechende Veränderung zeigt, kann die Dosis bis auf das fünffache erhöht werden. Die meisten Großpferde kommen mit eine dreiviertel bis eineinhalb Tabletten aus.

 

Eine Veränderung des Verhaltens (Pferde wirken wieder munterer / „jünger“) kann man oft schon nach einigen Wochen beobachten. Das Fell verändert sich oft erst nach dem nächsten Fellwechsel – es kann auch sein, dass diesbezüglich keine 100%ige Besserung zu erreichen ist. In vielen Fällen scheren die Pferdebesitzer die Patienten trotzdem.

 

Bezüglich der Muskulatur kann es bis zu einem halben Jahr dauern, bis sichtbare Veränderungen eintreten.

 

Ich empfehle meinen Patientenbesitzern nach Erreichen der geplanten Erhaltungsdosis diese ca. 4- 6 Wochen lang beizubehalten. Dann sollte erstmalig eine Kontrolle des ACTH-Wertes erfolgen. Abhängig von der Höhe des Ausgangswertes und dem dann erreichten Wert kann eine weitere Dosisanpassung notwendig sein. Alleine der ACTH-Wert sollte jedoch nicht ausschlaggebend sein für die Anpassung der Dosis – im Vordergrund sollte immer die klinische Symptomatik stehen.

 

Begleitend können eine Veränderung des Fütterungs- bzw. Haltungsregimes von Bedeutung sein. Wichtig ist besonders bei an ECS-erkrankten Pferden der ausgeglichene Mineral- und Vitaminhaushalt (Selen, Vitamin E!) sowie eine angepasste stärkearme Ration. Optimaler Weise wird Pferden mit Insulinresistenz ein grobstengeliges Heu (reduzierter Zuckergehalt) evt. eingeweicht gefüttert sowie auf Futtermittel mit hohem glycämischen Index verzichtet (hierzu gehören auch Äpfel, Melasseschnitzel etc!). Bei zu dünnen Pferden kann eine Energiezufuhr über einen Ölzusatz zum Futter erfolgen.

Eine bedingte Therapiealternative kann in Einzelfällen alleine oder begleitend das Extrakt des Mönchspfeffers (Vitex agnus castus) darstellen (Kombipräparat Corticosal der Fa. Navalis). Im Rahmen einer Doktorarbeit ist in einer Studie an ECS-erkrankten Pferden die signifikant positive Wirkung auf die klinische Symptomatik belegt worden – leider kann bei dieser Therapieform jedoch nicht die Kontrolle über den ACTH-Wert erfolgen, da dieser nahezu unbeeinflusst bleibt.

 

Prognose

Die meisten Pferde zeigen eine deutliche Verbesserung der Symptomatik bis hin zum Erreichen ihrer „alten Form“ und können so noch über viele Jahre nicht nur ein pferdegerechtes Rentnerleben führen, sondern evtl. auch noch von ihren Besitzern entsprechend reiterlich genutzt werden. Nur in wenigen Fällen gelingt es nicht, die Pferde akzeptabel einzustellen.

 

Bitte bedenken Sie, dass die Therapie eine lebenslange Therapie ist! Sie sollte unter kritischer Beobachtung der klinischen Symptome erfolgen. Spreche Sie mich bitte an, wenn Ihnen Symptome auffallen, bei denen es sich evt. um eine Verschlechterung / Progression des ECS bzw. PPID handeln könnte.

 

 

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